Requiem – Texte und Anmerkungen des Komponisten

Will Todd

Will Todd (*1970)


Will Todd komponierte die erste Fassung des „Requiem“ für Sopransolo, gemischten Chor und E-Gitarre. Auf diese ursprüngliche Fassung aus dem Jahr 2008 beziehen sich seine nachfolgenden Anmerkungen.

Die Aufführungen in Dortmund werden auf der Orgel begleitet. 2012 arrangierte Ralph Woodward die Orgelfassung auf der Grundlage der ursprünglichen Komposition.

Note by Will Todd:

Anmerkungen zum Requiem von Will Todd:

The following brief descriptions, alongside the texts, provide a possible journey through the setting.
Die nachfolgenden Anmerkungen zu den Liedtexten mögen Ihnen eine Hilfe beim Verständnis des Werkes sein.

1. Introit

In this sequence the guitarist sets up the 12-note row against a soft, oscillating choir texture. The solo voice sings the opening lyrical phrases, a voice crying out at a time of pain and uncertainty.

1. Einleitung

Die Orgel setzt eine 12-Ton-Folge gegen einen weichen, oszillierenden Chorklang. Die einleitenden Worte werden von der Solistin gesungen, eine flehende Stimme in einem Moment des Schmerzes und der Ungewissheit.

Requiem aeternam dona eis, Domine,
et lux perpetua luceat eis.
Grant them eternal rest, O Lord,
and may perpetual light shine on them.
Gib ihnen die ewige Ruhe, Herr,
und das ewige Licht leuchte ihnen.

2. Kyrie

The music resolves to A major and the choir sings these wonderful words of supplication – at the end the floating guitar theme re-enters.

2. Kyrie

Die Tonart wechselt zu A-Dur, und der Chor singt wundervolle Worte des Gebets. Am Ende kehrt das musikalische Hauptthema des Requiems zurück.

Kyrie eleison.
Christe eleison.
Kyrie eleison.

Thou that hearest the prayer:
unto thee shall all flesh come.

Lord, have mercy.
Christ, have mercy.
Lord, have mercy.
Herr, erbarme Dich.
Christus, erbarme Dich.
Herr, erbarme Dich.

Herr, der Du unser Gebet erhörst:
Lass die Verstorbenen zu Dir kommen.

3. Dies irae

The music of the guitar is agonised; this is the searing pain of death, physical and emotional. The dissonance heaps up as the music progresses.

3. Tag des Zornes

Der Klang der Orgel ist schmerzerfüllt – er spiegelt die durchdringende Qual des Todes, körperlich wie seelisch. Die Dissonanzen verschärfen sich im weiteren Verlauf dieses Stückes.

Zur deutschen Übersetzung und zur Bedeutung der nachfolgenden Texte siehe auch Anmerkungen von P. Martin Löwenstein SJ, Hamburg

Dies irae, dies illa
solvet saeclum in favilla,
teste David cum Sibylla.

Quantus tremor est futurus
quando judex est venturus
cuncta stricte discussurus.

Tuba mirum spargens sonum
per sepulchra regionum
coget omnes ante thronum.

Mors stupebit et natura
cum resurget creatura
judicanti responsura.

A book will be brought forth
in which everything is contained,
out of which all the world shall be judged.

When therefore the judge takes his seat
whatever is hidden shall reveal itself,
and nothing shall remain unavenged.

The day of wrath, that day
will dissolve the earth in ashes
as David and the Sibyl bear witness.

What dread there will be
when the judge shall come
to judge all things strictly.

A trumpet, spreading a wondrous sound
through the graves of all lands,
will drive mankind before the throne.

Death and nature shall be astonished
when all creation rises again
to answer the judge.

Tag des Zornes, jener Tag,
auflösen wird er das All in Staub,
wie bezeugt von David und Sybilla.

Welch ein Zittern wird es geben,
wenn der Richter erscheinen wird,
alles streng zu prüfen.

Die Posaune wird wunderlichen Laut
erschallen lassen über der Gräber Reich,
zwingen wird sie alle vor den Richterthron.

Der Tod wird erstarren und [auch] die Natur,
wenn auferstehen wird die Kreatur,
um vor dem Richter sich zu verantworten.

Ein Buch wird man hervorholen,
in welchem alles steht,
aus ihm die Welt wird gerichtet werden.

Wird nun der Richter [zu Gericht] sitzen,
was auch immer im Verborgenen war:
es wird ans Licht kommen.
Nichts wird unvergolten bleiben.

4. Rex tremendae

Sudden tranquillity as the solo voice searches for hope of salvation, joined by the choir. The guitar soft once more.

4. Erhabener Herrscher

Es herrscht plötzliche Stille. Eine einzelne Stimme sucht nach der Hoffnung auf Rettung, dann stimmt der Chor mit ein. Auch die Orgelbegleitung wird wieder ruhig.

What then shall I say, wretch that I am,
what friendly voice will speak out for me,
when even the righteous may hardly be secure?

King of awful majesty,
who freely saves the redeemed,
O fount of goodness, save me.

Remember, blessed Jesu,
that I am the cause of your pilgrimage,
and do not forsake me on that day.

Was soll ich Elender dann sagen?
Welchen Anwalt werde ich erbitten,
wenn kaum der Gerechte sicher sein kann?

König von erzittern lassender Majestät,
der Du die zur Rettung Bestimmten errettest aus Gnade,
rette mich, Urquell der Milde.

Gedenke, Jesus in Milde,
dass ich der Grund für Deinen Weg [auf die Erde] bin,
auf dass Du mich nicht verderbest an jenem Tage.

5. Lacrimosa

The chaotic emotions return – this time the music dissolves into anger and noise. As a coda to this sequence we hear the plaintive ‘Lacrimosa’ from the choir.

5. Tag der Tränen

Die chaotischen Gefühle kehren zurück – dieses Mal zerfällt die Musik in Zorn und Lärm. In der Coda dieses Satzes hören wir vom Chor das klagende „Lacrimosa“.

Lacrimosa dies illa
qua resurget ex favilla
judicandus homo reus.
Huic ergo parce, Deus.
Tearful will be that day
when from the dust shall rise
guilty man to be judged.
Therefore spare him, O God.
Tränenreich ist jener Tag,
an dem aufstehen wird aus dem Staube
zum Gericht der Mensch als Schuldiger.
Ihm doch gewähre Schonung, o Gott.

6. Pie Jesu

This setting of the iconic text starts in G minor and finishes in G major – the soft, eerie guitar weaves a strange counterpoint to the intensely lyrical melody of the solo voice. This is a dialogue between the two solo timbres, entwined in their shared need of peace, accompanied by soft choral chords.

6. Milder Jesus

Das Arrangement dieses ikonenhaften Textes beginnt in G-Moll und endet in G-Dur. Die weiche aber gleichzeitig unheimlich klingende Orgel bildet einen merkwürdigen Gegensatz zur ausgesprochen lyrischen Melodie der Solistin. Dies ist ein Dialog zwischen zwei solistischen Stimmen, die in ihrem gemeinsamen Verlangen nach Frieden vereint sind, während der Chor sie mit weichen Akkorden begleitet.

Pie Jesu Domine,
dona eis requiem.
Merciful Lord Jesu,
grant them rest.
Milder Jesus, o Herr,
schenke ihnen Ruhe.

7. Offertorium

An urgent prayer from the choir set against a pulsating guitar accompaniment.

7. Darbringung

Ein inständiges Gebet des Chores, begleitet von pulsierender Orgelmusik.

Domine, Jesu Christe,
Rex gloriae,
libera animas omniurn
fidelium defunctorum
de poenis inferni,
et de profundo lacu:
libera eas de ore leonis,
ne absorbeat eas tartarus,
ne cadant in obscurum.
Sed signifer sanctus Michael
repraesentet eas in lucem sanctam.
Hostias et preces tibi, Domine,
laudis offerimus:
tu suscipe pro animabus illis,
quarum hodie memoriam facimus.

Allow them, Lord,
to cross from death into the life
which once you promised to Abraham
and his descendants.

Lord Jesus Christ,
King of glory,
deliver the souls of all
the faithful departed
from the pains of hell
and from the bottomless pit:
deliver them from the lion’s mouth,
nor let the black abyss swallow them up,
nor let them fall into darkness.
But let St Michael, your standard-bearer,
lead them into the holy light.
We offer unto you, Lord, this sacrifice
of prayer and praise:
receive it for those souls
whom today we commemorate.
Herr Jesus Christus,
König der Herrlichkeit,
befreie die Seelen aller
verstorbenen Gläubigen von den
Strafen der Hölle
und der tiefen Unterwelt.
Befreie sie aus dem Rachen des Löwen,
lasse die Hölle sie nicht verschlingen
noch lasse sie in Finsternis fallen.
Stattdessen geleite der heilige Michael,
Dein Bannerträger, sie ins heilige Licht.
Opfergaben und Gebete bringen wir
zum Lobe Dir dar, o Herr.
Nimm sie an für jene Seelen,
derer wir heute gedenken.

Herr, lass sie vom Tode hinübergehen zum Leben, in das Leben, welches Du einst Abraham und seinen Nachkommen verheißen hast.

8. Sanctus

Long pedal notes underscore this movement, which is tranquil and prayerful. The texture builds and builds, with many-layered vocal writing – this is the promise of a beautiful and heavenly afterlife.

8. Sanktus

Langgezogene Bässe unterstreichen diesen ruhigen Satz voller Gebete. Die Musik baut sich nach und nach vielstimmig auf – das Versprechen auf ein schönes Leben im Himmel nach dem Tod.

Sanctus, Sanctus, Sanctus,
Dominus Deus Sabaoth!
Pleni sunt coeli et terra gloria tua.
Hosanna.
Blessed is he who comes
in the name of the Lord.
Hosanna in excelsis.
Holy, holy, holy,
Lord God of Sabaoth!
Heaven and earth are full of your glory.
Hosanna.

Hosanna in the highest.

Heilig Gott Herr aller Mächte und Gewalten
Erfüllt sind Himmel und Erde von Deiner Herrlichkeit.
Hosanna.
Hochgelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn.
Hosanna in der Höhe.

9. Agnus Dei

In contrast to the previous movement, as the moment of death nears the music becomes troubled and desperate. A final outpouring of lyrical music precedes a guitar cadenza – the last cry of life in this world – after which the music becomes distorted and painful as we sink into death.

9. Lamm Gottes

Im Gegensatz zum vorhergehenden Satz wird die Musik angesichts des nahenden Todes aufgewühlt und verzweifelt. Letzte Klänge lyrischer Musik, gefolgt von einer Orgelkadenz – ein letzter Aufschrei des Lebens in dieser Welt. Danach wird die Musik verstört und schmerzhaft, während wir zum Tod hinübergehen.

Agnus Dei,
qui tollis peccata mundi,
dona eis requiem.
Lamb of God,
that takest away the sins of the world,
grant them rest.
Lamm Gottes,
der Du trägst die Schuld der Welt
gib ihnen die ewige Ruhe.

10. In Paradisum

The call of ‘Requiem aeternam’ from the opening returns. We are perhaps moving into an afterlife as the music opens out into softly glowing harmonies, which re-present the 12-note row melded with diatonic harmony – we hope for the angels – we hope to be with Lazarus – we hope for rest. At the end the soul moves into its journey of the True Unknown and drifts from our sight.

10. In das Paradies

Der zu Beginn gehörte Ruf „Requiem aeternam“ kehrt zurück. Wir gehen vielleicht hinüber in ein Leben nach dem Tode so wie die Musik sich in weich erstrahlende Harmonien wandelt. Wir hoffen auf die Engel – wir hoffen mit Lazarus zu sein – wir hoffen auf ewige Ruhe. Und am Ende beginnt die Seele ihre Reise in das wahrhaft Unbekannte und entschwindet unserer Sicht.

Requiem aeternam dona eis, Domine.

In paradisum deducant te angeli.

May the martyrs receive you on your arrival,
and may they guide you into the holy city,
Jerusalem.
May the chorus of angels receive you.
And with Lazarus, once poor,
may you have eternal rest.

Requiem aeternam dona eis, Domine.

Grant them eternal rest, O Lord.

May the angels lead you into paradise.

Grant them eternal rest, O Lord.

Gib ihnen die ewige Ruhe, Herr.

Zum Paradies mögen Engel Dich geleiten.

Märtyrer mögen Dich bei Deiner Ankunft empfangen und in die heilige Stadt Jerusalem führen.
Der Chor der Engel möge Dich empfangen.
Und mit dem einst armen Lazarus
mögest Du ewige Ruhe finden.

Gib ihnen die ewige Ruhe, Herr.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*